Der große Krieg
Eine historische Einordnung:
Immer wieder wird im Zusammenhang mit der "Plenningerin" vom Mittelalter
gesprochen.
Unsere Geschichte spielt jedoch im frühen Barock!
- In Frankreich bestimmt Kardinal Richelieu den Ton.
- Fast 30 Jahre nach dem Tod von Elisabeth I. schlägt
 sich England
immer noch mit Spanien herum.
- 140 Jahre nach der Entdeckung Amerikas sind in
 Europa bereits
Tabak, Kaffee und Schokolade bekannt.
- Galilei veröffentlicht seine Weltanschauung; Fernrohr  und
Mikroskop sind auch schon erfunden.
- Und an den Höfen bricht das Zeitalter der Perücken
 und Reifröcke
an.
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Während also im übrigen Europa Kunst, Kultur und Wissenschaft auf dem
Vormarsch sind, stöhnt Nord- und Mitteldeutschland
über die Verheerungen des
"Großen Krieges"
1618-1648.
Was aber hat der
30jährige Krieg nun mit Geiselhöring zu tun?
Die ersten Jahre eigentlich nicht viel:

Die
Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten tobten woanders, hin und wieder
zogen Soldatenwerber durch den Markt, und der bayerische Herzog Maximilian,
der spätere Kurfürst, hob die Steuern an.
Doch schon im Jahr 1623 musste Geiselhöring Maximilian 2000 Gulden zur "Defendierung"
(Verteidigung) der bayerischen Lande leihen. Außerdem hatte der Markt einen
Reiswagen - eine Art Transportkarren - mit Pferden, Knechten und allem Zubehör
zu stellen.
Aber auch zu Hause wurde vorgesorgt:
In einer Verordnung von 1548 heißt es, dass alle Wehrfähigen verpflichtet
waren, jeden Sonntag auf den Schießstand zu kommen. Wer mit dem Schießen nicht
vertraut war, durfte nicht heiraten! Auch Waffen und Kleidung wurden damals
vereinheitlicht, im Gegensatz zur kunterbunten Bekleidung der Landsknechte.
Außerdem war der Markt mit einer Holzpalisade umgeben, denn er lag an einer
wichtigen Straßenkreuzung: Hier trafen sich die Handelswege von Straubing
nach Landshut und von Dingolfing nach Regensburg.
Arm waren die Geiselhöringer nicht, und die steinernen Bürgerhäuser mit den
geschwungenen Giebeln zeigten es deutlich ins Land hinaus.
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Doch dann wurde alles anders: Wallenstein, Maximilians "Generalissimus",
wird 1630 wegen einiger Streitereien seines Amtes enthoben, ein Jahr
später jedoch wieder eingesetzt. Nun aber will er es dem Kurfürsten
heimzahlen: Er zieht sich ins Böhmische zurück und glänzt durch provokante
Untätigkeit.
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Alles
Bitten von Maximilian, Bayern vor den protestantischen Schweden zu schützen,
ist vergeblich. Schwedenkönig Gustav Adolf ergreift die Gelegenheit (er wird
von Kardinal Richelieu finanziell unterstützt!) und zieht mit seinen Truppen
Richtung Bayern. Sein Ziel: München!
Am 14. April 1632 erreicht der König den Lech. Der alte Feldherr Tilly
tut sein Möglichstes, Bayern zu schützen, wird aber in der Schlacht verwundet
und muss sich nach Ingolstadt zurückziehen.
Am 24. April 1632 nimmt Gustav Adolf Augsburg ein, fünf Tage später
ist er vor Ingolstadt, wo Tilly im Sterben liegt. Die Stadt leistet jedoch
erbittert Widerstand. Der Schwedenkönig schickt seinen General Horn dem nach
Regensburg fliehenden Maximilian hinterher, er selbst wendet sich nach München.
Am 4. Mai 1632 beginnt die große Plünderung Bayerns: Gustav Adolf
zieht von Ingolstadt über Geisenfeld und Mainburg nach Landshut, General
Horn über Vohburg, Abensberg und Rottenburg nach Regensburg.
Das
riesige Heer der Schweden muss versorgt werden:
Die Feldherren schicken kleine Abteilungen los mit dem Befehl, Nahrung für
Mensch und Tier heranzuschaffen. Die Trupps streifen immer weiter im Land
umher, denn die meisten Bauern haben sich und ihr Hab und Gut in Sicherheit
gebracht: In Landshut, in Straubing, auch in Geiselhöring... Wer nicht schnell
genug ist, verliert nicht nur Besitz und Leben, sondern muss auch noch schlimmste
Folter ertragen, die verborgenen Besitz oder den Aufenthaltsort versteckter
Nachbarn herauspressen soll. Alles Essbare, alle Wertsachen, alles, was bei
den Marketendern verscherbelt werden kann, wird mitgenommen, der Rest zerstört.
Kein Soldat Wallensteins soll hier noch etwas zum Überleben finden!
Ein
alter Vers berichtet von der Verzweiflung der Menschen:

De Schweden san
komma,
ham alles mitgnomma,
ham d'Fenster eigschlagn,
hams Blei davon tragn,
ham Kugeln draus gossn
und d'Bauern daschossn.
Am 4. Mai brennt Rottenburg, dann Aholfing, Pfatter,
Kirchberg, Andermannsdorf, Inkofen, in Schierling fallen 2000 Reiter ein,
65 Gebäude brennen nieder.... Marktschreiber Niederhuber verfasst an diesem
Tag einen Bittbrief nach Landshut, in dem er um "Succurs" (militärische Hilfe)
fleht. Da und dort regt sich auch Widerstand:
Am 6. Mai sammeln die Pfleger (Landrichter) von Hainsbach
und Kirchberg einige Leute und halten einen Trupp Landsknechte auf. Als diese
ihr Patent, also eine Legitimation, nicht zeigen wollen, kommt es zum Kampf,
es gibt Tote auf beiden Seiten.
Am 7. Mai nimmt Gustav Adolf Moosburg ein. Nun schreiben
die Landshuter selbst einen verzweifelten Brief nach München... Einen Tag
später besetzt der Schwedenkönig die Stadt und fordert Kontribution, eine
Art Lösegeld gegen das Plündern.
Am 10. Mai macht ein Landfähnlein von mehreren hundert
Bauern 60 Landsknechte nieder, die im Begriff sind, das Kloster Niederviehbach
zu plündern. Viele dieser kleinen und großen Heldentaten sind bis heute überliefert,
doch sie konnten kaum etwas gegen die Masse der Feinde ausrichten.
Auch in Geiselhöring brennen einige Häuser, aber da sich die
Zerstörung in Grenzen hielt, scheint wohl Kontribution gezahlt worden zu sein.
In den benachbarten Dörfern sah es jedoch anders
aus.
Was in diesen Tagen geschehen sein könnte, davon handelt die "Eva Plenningerin".