









Geiselhöring im 17. Jahrhundert
Dem Markt Geiselhöring wurden seine Rechte bereits im 13. Jahrhundert
verliehen, dazu gehörten auch Palisaden, Gräben und steinerne Tore.
Nach dem Ortschronisten Josef Reindl zählte Geiselhöring 1557 etwa 750 Einwohner,
1665 dann etwa 1000. Dazwischen gab es sicher extreme Schwankungen durch Flüchtlinge,
Rekrutierungen und Seuchen.
Der Markt wird regiert von einem Amtskammerer (Bürgermeister), dem Inneren
und dem Äußeren Rat, die in einer offenen Wahl bestimmt werden.
Außerdem gibt es an "Honoratioren" noch einen Marktschreiber, einen Pfarrer
und mehrere Zünfte mit ihren Meistern.
Kleinere Rechtsfälle (die "Niedere Gerichtsbarkeit") durfte der Markt selbst
verhandeln, über Angelegenheiten um Leib und Leben jedoch musste der Pfleger
(Landrichter) von Kirchberg urteilen, der deshalb regelmäßig vorbeikam.
Geiselhöring besaß auf dem Galgenberg zwar eine Gerichtsstätte, aber keinen
eigenen Henker. Diesen brachte der Pfleger bei Bedarf selbst mit zum Gerichtstag.
Durch zahlreiche Ratsprotokolle und Rechnungen sind uns die Geiselhöringer Ämter und ihre Inhaber um das Jahr 1632 überliefert:
Der Altbürgermeister Georg Reindl
Reindl war Geiselhöringer Amtskammerer von 1599 - 1619, es existieren mehrere
von ihm unterschriebene Urkunden. Er mag 1632 noch gelebt haben.

Überliefert ist 1617 und 1630 auch ein Tafernwirt namens Hans Reindl, der
beim Rat Beschwerde einreichte, dass der Probstrichter Verhandlungen nicht
in seiner Wirtschaft abhalte. Ein Tafernwirt erhielt seine Konzession direkt
vom Landesherrn. Als Gegenleistung mußte er kostenlos Amtspersonen einquartieren
und Zimmer für deren Geschäfte bereithalten. Ein Tafernwirt war demnach auch
eine wichtige und angesehene Persönlichkeit. Eine Verwandtschaft zwischen
den beiden Reindl ist leider nicht feststellbar.
Der Bürgermeister Adam Labermayr
Adam Labermayr war Geiselhöringer Amtskammerer von 1619 - 1633 und wird auch
als Bierbräuer bezeichnet.
In einer Urkunde von 1672 ist ein Georg Labermaier als "Pierpräu" und Mitglied
des Inneren Rates überliefert.
Bis heute ist auf einer Hausfassade gegenüber des Geiselhöringer Rathauses
eine Hausmarke zu sehen, die den Bierbrauer "Gearg Lavermayer undt Katharina
desen HaußFrau" 1732 als Erbauer ausweist. Der Labermayr-Bräu war auch der
Herbergsvater der Bäckerzunft.
Der Marktschreiber Johann Niederhuber
Er schrieb am 4. Mai 1632 im Auftrag des Rates einen Brief nach Landshut,
in dem er um "Succurs" (Beistand) für den Markt bat, da schwedische Reiter
herumstreiften. Niederhuber starb 1655.
Der Pfarrer Magister Georg Abeltshauser
Abeltshauser erhielt die Pfarrei Geiselhöring 1605. Er baute 1610 den Chor
der alten Pfarrkirche um, erreichte es, dass eine Orgel gestiftet wurde und
tat auch sonst viel für Kultur und Wohlfahrt. Er starb 1633, wohl an den Folgen
des Krieges.
Thomas Thanner, Bader
1608 gibt es in Geiselhöring einen Bader dieses Namens, dem das Bad in Sallach
gehört.
Der Bierbrauer Nikolaus Schleinkuffer
1741 wird ein Johann Caspar Schleinkofer als Posthalter und Bräu bezeichnet.
Früher taucht kein solcher Name auf.
Ludwig Neubeckh, Metzger
Ein Gilg Neupeckh ist 1550/51 als Amtskammerer in Geiselhöring nachgewiesen.
Matthias Offner, Schmied
1733 wird ein Schlosser Offner erwähnt, der seine Werkstatt beim Regensburger
Tor hatte. Dort befand sich noch bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Schlosserei.
Leider reichen die Geiselhöringer Zunftbücher nicht über die
Mitte des 17. Jahrhundert zurück, weitere Namen sind nur aus Urkunden zu erfahren,
so die Räte
Albrecht Grueber
Stefan Paindlkhover
Georg Ruestorffer
Sebastian Vogler
Georg Limprunner
Über die Namen ihrer Ehefrauen ist ebenfalls nichts bekannt, aber es bestand
damals die Sitte, an den Nachnamen ein "-in" anzuhängen (z.B. Reindlin).
Eva Plenninger selbst ist tatsächlich eine historische
Person.
Allerdings lebte sie erst im 18. Jahrhundert:
"Eine der letzten Hinrichtungen in Geiselhöring war 1747 am 5. August, wo
die Räuberbande Jakob Pusler, Söldner von Hadersbach, Mathias Schwäbl und
Andre Zichaus, zwei Dienstknechte von Haader mit dem Strang und ihre Mithelferin
Eva Plenninger aus Oberellenbach mit dem Schwerte hingerichtet wurde."
(Reindl-Chronik S. 110)
Im übrigen ist eine große, mit Eisen beschlagene Truhe aus dem Jahr 1619 im Besitz der Stadt Geiselhöring, sie befindet sich im Bürgerhaus. Die im Stück benutze Truhe ist ein "leichterer" Nachbau....