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Die Greißinger Pesttafel

Wie erlebten die Geiselhöringer diese schrecklichen Ereignisse?

Ein erschütterndes, historisches Dokument über die Tragödie im Mai 1632 befindet sich in der Kirche von Greißing. Auf einer Votivtafel, gestiftet von den Mesnerseheleuten Hans und Maria Lährnpeitl, die die Schwedeneinfälle, die Hungersnot und die Pest überlebten, werden jedem Betrachter die furchtbaren Leiden in Wort und Bild vor Augen geführt.

Die Pesttafel"Nach der allerheiligsten Geburt Jesu Christi, 1632 im Monat may sein wir arme Underthonen durch des Obristen Kratzen Reitter, dann Hernach anno 1633 dass schwedisch volkh die Statt Regenspurg eingenommen, und anno 1634 die Kayser-Khönig und Bayrischen widerumben gekhommen, also von oberzelten freund und feinden der massen geplindert worden, das wir weder Pfärdt, Rinder, Schwein, Lemper, Hennen, Geuß, Antten in Summa nichts mehr gehabt, der unsrigen gar viel erhaut und erschossen, geschwaiblt, und welches noch erbärmlicher zu horen und sehen gewest, als wir wieder zu Hauß khomen, ein solcher Pestilenz sterben darauf erfolgt, dass viel leut auf den Feld und hinder den Zeunen von den Hunden auß Hunger gefressen worden. Der Allmechtig Gott sey ihnen und uns alln gnedig und Barmherzig. Amen."

Übersetzung und Anmerkungen
"Nach der allerheiligsten Geburt Jesu Christi 1632 sind wir arme Untertanen zuerst im Monat May durch die Reiter des Obristen Kratz (1), dann 1633, als die Schweden die Stadt Regensburg eingenommen hatten, und zuletzt 1634, als die Kaiser-, König- und Bayrischen [Soldaten] wiederum gekommen sind -- also gleichermaßen von Freunden und Feinden -- derart geplündert worden, dass wir keine Pferde, Rinder, Schweine, Lämmer, Hennen, Ziegen, Enten, insgesamt nichts mehr besaßen. Von den Unseren wurden sehr viele erschlagen und erschossen, geschwaiblt (2), und was noch erbärmlicher zu hören und zu sehen war: Als wir wieder nach Hause kamen, erfolgte ein solches Pestilenzsterben darauf, dass viele Leute auf den Feldern und hinter den Zäunen von den Hunden aus Hunger gefressen wurden. Der allmächtige Gott sei ihnen und uns allen gnädig und barmherzig. Amen."
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(1) Mit Obrist Kratz ist Johann Philipp Graf Kratz von Scharffenstein, Statthalter von Ingolstadt, gemeint, der heimlich mit den Schweden paktierte und später zum Feind überlief.
(2) schwaibeln: Dem Opfer wurde ein Strick um den Kopf gebunden, der mithilfe eines Stockes immer weiter zusammengedreht wurde (auch "raiten").

Über das Mesnerpaar Lährnpeitl gibt es in Greißing auch eine Sage, die ich hier so wiedergebe, wie sie mir vom ehemaligen Mesner Hermann Stadler sen. erzählt wurde:

"Als die Schweden in der Nähe waren, packten alle Greißinger ihre Habseligkeiten und flohen damit in den "Grulln" [Grillenwald], das Vieh wurde dabei in die Römerschanze [die Viereckschanzen bei Sallach] eingesperrt.
Die Greißinger KircheNur die Lährnpeitls wollten im Dorf bleiben und sperrten sich in die Kirche ein. Sie hatten einiges zum Essen dabei, Stroh, Decken und auch ein paar Hühner. Das alles brachten sie auf den Kirchturm, in das kleine Zwischenstockwerk und zu den Glocken, die heute noch da sind. Dann versperrten sie den Zugang.
Als die Schweden ins Dorf kamen, wurden die Häuser geplündert und der Hausrat zerstört, dass man es bis zum Kirchturm hinauf hörte. Auch viele Häuser wurden angezündet und der Rauch war weit zu sehen. Dann brachen die Schweden die Kirchentür auf und warfen in der Kirche alles um und zerschlugen es.
Droben auf dem Turm saßen die Mesnersleute und waren ganz still und beteten.
Nach langer Zeit wurde es ruhiger und Hans Lährnpeitl sah aus dem kleinen Fenster. Da waren die Schweden schon nach Sallach davon, und bald brannte es auch dort, aber sie trauten sich noch nicht herunter.
Detail der PesttafelErst nach einigen Tagen kletterte der Mesner vom Turm herunter ins Dorf, aber er fand nichts Lebendiges. Dann kamen später ein paar Greißinger zurück, aber viele starben an der Pest und es lagen auch viele tote Tiere herum. Deshalb trauten sich auch die Mesnersleute nichts anzurühren und zogen wieder auf den Turm. Dort hatten sie bald nichts mehr zu essen, und als die Hühner weg waren, fing der Mesner Tauben, die unter dem Dachstuhl nisteten. Aber sie mussten sie roh essen, da sie kein Feuer machen wollten, denn den Rauch aus dem Turm hätte man ja gesehen. Erst nach vielen Tagen trauten sie sich in ihr Haus zurück und sahen die Tierkadaver und die Pesttoten, die ja niemand begraben hatte. Und weil sie das alles überlebt hatten, stifteten sie darauf die Tafel."