Im Gritschhof: Die Tochter des Henkers und ihr schwedischer Soldat

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(jh) Es spielt sich im Gritschhof ab, dem Anwesen Nr. 1 an der Regensburger Straße in Geiselhöring – direkt gegenüber dem Rathaus: Die ehrlose und verfemte Tochter des Henkers verrät die Geiselhöringer an einen schwedischen Soldaten. Eine Geschichte zur Zeit des 30-jährigen Krieges.  „Eva Plenningerin“, so heißt die junge Frau, die im Mittelpunkt des gleichnamigen Freilichtspiels steht. Eine fiktive Geschichte in und um Geiselhöring. Sie wird in diesem Jahr erneut aufgeführt. Nach der Premiere am Freitag, 15. Juli folgen noch weitere fünf Aufführungen. Neben Leni Huber und Andreas Weber in den Hauptrollen wirken noch weitere gut 100 Laiendarsteller mit. Als Eva Plenningerin und als schwedischer Soldat Peter erinnern die Beiden nicht nur an die Zeit des 30-jährigen Krieges, sondern halten auch ein Mythos aufrecht, wonach es immer noch unter einem der Geiselhöringer Häuser einen Schatz geben soll.

Es war im Mai 1632, als die Schweden mordend und plündernd durch die Hallertau nach München ziehen. Märkte und Dörfer brennen. Flüchtlinge erzählen von unvorstellbaren Grausamkeiten. Während die verängstigenden Geiselhöringer Bürger auf Rettung aus Landshut hoffen, wollen die Ratsherren mit den Feinen über Lösegeldzahlungen verhandeln. Gleichzeitig beschließen sie aber, ihr eigenes Hab und Gut sicher zu verstecken.

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Eva Plenningerin steht als Tochter eines Henkers dagegen abseits jeder gesellschaftlichen Ordnung. Als Ehrlose und Verfemte will niemand etwas mit ihr zu schaffen haben. Sie hat nicht zu verlieren und auch nichts zu verstecken. Als die Schweden mit Gewalt und Willkür in Geiselhöring einfallen, versinkt die bisher so wohlgeordnete Welt der Bürger im Chaos.

Doch während andere Not und Elend erleben, wendet sich unerwartet auch Evas Schicksal. Ein schwedischer Soldat such ein schnelles Abenteuer und findet in ihr leichte Beute: Eva sieht plötzlich das große Glück vor sich, ein freies Leben fernab jeder Demütigung. Während die Geiselhöriger ihre wenigen Wertsachen abliefern, glaubt der schwedische Anführer den Armutsbeteuerungen der Ratshrrn nicht – und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Zur Stadterhebung im Jahre 1952 hatte schrieb Wilfried A. Geis, Sohn eines Geiselhöringer Arztes das Theaterstück über den Einfall der Schweden ins Labertal geschrieben. Im selben Jahr wurde es mit 27 Teilnehmern uraufgeführt. Danach fiel das Stück für ganze 40 Jahre in einen tiefen Schlaf – bis es 1992 aufgeweckt wurde.

Nicht nur mit der neuen Tribüne sind die Geiselhöringer für das Freilichtspiel "Eva Plenningerin" gut vorbereitet. (v. links) Herman Wocheslander (Markschreiber und zuständig für den Druck der Plakate), Spielleiterin Daniela Lochner, Thomas Drexler (Vorsitzender des Festspielvereins), Leni Huber (Eva Plenningerin), Andres Weber (Landsknecht Peter) sowie Bürgermeister Herbert Lichtinger sehen dem Premierenabend mit Freude entgegen. - Foto: Haas
Nicht nur mit der neuen Tribüne sind die Geiselhöringer für das Freilichtspiel „Eva Plenningerin“ gut vorbereitet. (v. links) Herman Wocheslander (Markschreiber und zuständig für den Druck der Plakate), Spielleiterin Daniela Lochner, Thomas Drexler (Vorsitzender des Festspielvereins), Leni Huber (Eva Plenningerin), Andres Weber (Landsknecht Peter) sowie Bürgermeister Herbert Lichtinger sehen dem Premierenabend mit Freude entgegen. – Foto: Haas

Daniela Lochner übersetzte 2004 das gesamte Stück ins Bairische und sieben Jahre später schrieb die Theaterwissenschaftlerin im Auftrag des inzwischen gegründeten Festspielvereins eine komplette Neufassung des Stücks, die 2012 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Mit 127 Teilnehmern waren so viele Mitwirkende wie nie zuvor mit dabei. Seit Anfang April probt Daniela Lochner mit den Akteuren wöchentlich zwei Mal.

Kartenvorverkauf
Vorverkaufsstellen: Stadt Geiselhöring, Allgemeine Laber-Zeitung Geiselhöring – Eintritt: 16 bis 18 Euro.

„Die Geschichte der Henkerstochter Eva, die sich in den Landsknecht Peter verliebt, zählt mittlerweile zu den kulturellen Höhepunkten der Stadt und der Region“, freut sich Bürgermeister Herbert Lichtinger. Neu ist in diesem Jahr, dass für die Zuschauer eine Tribüne angeschafft wurde; Platz für 250 Personen. Wichtig für den Vorsitzenden des Festspielvereins, Thomas Drexler: „Wir haben den Zuschauerbereich und die Tribüno so gestaltet, dass auch Rollstuhlfahrer ohne Probleme das Festspiel besuchen können.